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Faszination 356

Die Boliden von einst am Glockner …

Der Internationale Großglockner Grand Prix 2017 vom 21.–23. September 2017

Die Oldtimerszene boomt und so glauben viele aktiv Beteiligten und Teilnehmer, dass so wirklich faszinierende Veranstaltungen nur mit dem Spektakel und Glamour der Mille, Ennstal Classic oder etwa der Gran Premio Nuvolari zu bestreiten sind. Wem aber das Fahren mit seinem Klassiker unter Gleichgesinnten auf kleinsten Straßen im Sinn steht, der ist beim Großglockner Grand Prix richtig.
In diesem Jahr fand die traditionsreiche Bergprüfung nach ihrer Wiederbelebung vom 21. bis 23. September in den Alpen statt. Der Enthusiast und Organisator Marcus Herfort, der auch die Classic Days sowie Masterpieces auf Schloss Dyck mit Leben füllt, hat schon mehrfach mit Sachkenntnis und Talent bewiesen, wie es geht. In diesem Jahr hatte er sogar das Glück, dass das Wetter mitspielte und sich der Herbst in den Bergen mit strahlendem Sonnenschein von seiner besten Seite zeigte. Wie immer erfolgte der Vorstart unten in Fusch an der Großglocknerstraße. Für die Teilnehmer die rechte Einstimmung auf das, was sie hoch oben in den verschneiten Alpen auf den geräumten Passstraßen erwartete. Knapp sechs Kilometer ging es moderat hoch nach Ferleiten bis zur Mautstelle. Dort hatte man ein improvisiertes Fahrerlager eingerichtet, um letzte Vorbereitungen zu treffen und Information an die Fahrer weiterzugeben. Das Besondere waren hier die beiden Auto Union 16-Zylinder, der Bergrennwagen vom Typ C/D mit der Zwillingsbereifung hinten sowie der Grand Prix Rennwagen Typ D, die die Mobile Tradition der Ingolstädter bereitgestellt hatten und die u.a. von Hans Joachim Stück den Berg hinauf getrieben werden sollten.
Für die übersichtliche Anzahl der Zuschauer war das die Gelegenheit einige der vornehmlich aus der Vorkriegszeit stammenden Rennboliden genauer zu besichtigen. Diese waren mit Bentley 4,5 Ltr. Le Mans, BMW 328, Bugatti T 35B, Lagonda LG 6 Special Le Mans bis hin zum Veritas RS reichlich und eben der beiden Auto Union-Boliden vertreten. Für Porsche-Fans waren natürlich die beiden 904 GTS, der 356 Pre A Speedster sowie zwei 911 RS/RSR besonders interessant.
Am Freitag nach dem Training am Vormittag folgte bei einer kleinen Verschnaufpause nachmittags der erste Lauf zum „Großen Bergpreis“ über 92 Kurven auf mehr als 13 Kilometern bis hinauf zum Fuscher Törl auf 2428 Metern Höhe. Die Strecke war zwar schneefrei, aber das oberhalb von 1500 Meter Höhe quer laufende Schmelzwasser der mit fast einem halben Meter Schnee bedeckten Landschaft konnte für übermütige Naturen zur Bewährungsprobe werden, wenn man es in den engen Kehren etwas zu heftig angehen ließ. Eine fahrerische Herausforderung für Mensch und Maschine – ganz klar! Für die Zuschauer und Rennsportverliebten der Klassikszene war das in dem wunderschönen Alpenpanorama ein Fest für die Sinne! Die traumhafte Bergwelt und das spät sommerliche Wetter mit strahlendem Sonnenschein bei blauem Himmel – ein Hochgenuss! Dazu die aufgeschlossene Fahrermannschaft, die zu jeder Auskunft bereit war und mit zur gelungenen Stimmung für Beteiligte wie Zuschauer der Veranstaltung beitrug.
Am Samstagmorgen hieß es dann früh aufstehen. Die Sperrzeit für die Strecke begann um 8.30 Uhr ab Ferleiten und Fuscher Törl für motorisierte Fahrzeuge, weil der Gleichmäßigkeitslauf zur Bestätigungsfahrt eine halbe Stunde später startete. Mit Abstand ging jeder Wagen unter der fachkundigen Beschreibung von Moderator Marcus Herfort auf die Strecke, um mit mehr oder weniger Getöse die ersten Meter bergan unter die Räder zu nehmen. Für die Zuschauer war dieser Start sehr eindrucksvoll, da man die rüstigen Boliden von einst hier akustisch entsprechend wahr nahm. Das absolute Highlight an diesem Tag war aber die Bergfahrt der beiden 16-Zylinder. Unter tosendem Lärm startete Striezel Stuck auf dem 520 PS starken Bergrennwagen vor dem Grand Prix-Wagen als erster den Anstieg, nachdem alle Teilnehmer auf der Strecke waren. Oben auf dem Parkplatz am Fuscher Törl wurde dann Aufstellung für den Sonderlauf zur Edelweißspitze genommen. Den beiden Auto Union-Boliden kamen dabei die Rolle von Fotomodellen zu, die hier in der verschneiten Bergwelt nicht nur für die Berufsfotografen prachtvoll in Szene gesetzt wurden. Bilder davon wird es demnächst sicher in diversen Medien zu sehen geben.
Um 16.30 Uhr war es dann soweit: Nur noch wenige Teilnehmer wagten es sich, mit ihren Klassikern an dem Sonderlauf über die schmale, gepflasterte Strecke hoch zur Edelweißspitze teilzunehmen. Ein wirklich krönender Abschluss und eine tolle Veranstaltung auf der Großglockner Hochalpenstraße!

Achim Kubiak




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