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... unter Freunden am Niederrhein

Das Club-Jahrestreffen vom 08. - 10. September 2017 in Kleve

Wo zum Teufel liegt Kleve? –


Diese Frage mag sich manches Club-Mitglied Ende 2016 gestellt haben, als es um die Anmeldungen für das Jahrestreffen 2017 ging. Potsdam war landschaftlich und kulturell ein Highlight, aber Kleve?
…… unter Freunden am Niederrhein Nun, liebe Freunde, Kleve hat nur etwa 50.000 Einwohner und liegt linksrheinisch im nördlicheren Westen der Republik, relativ nahe an der Grenze zu den Niederlanden. Auf einer Endmoräne aus der Eiszeit thront die gewaltige Schwanenburg. Sie wurde vermutlich im 11. Jahrhundert von den Grafen und Herzögen von Kleve erbaut und wird heute nach mehrfacher Zerstörung und Neuaufbau als Gerichtsgebäude und Museum genutzt. Der Name Kleve leitet sich übrigens von Kleff, Klippe oder lateinisch Clivia ab und beschreibt den steilen Hang des Burgberges. Unbedingt erwähnt werden muss Anna von Kleve, die im 16. Jahrhundert die vierte Frau von Heinrich den VIII. wurde. Das war der berühmt berüchtigte König von England, der (nacheinander) sechs Frauen hatte und zwei davon hinrichten ließ. Anna blieb dieses Schicksal erspart und ihre Gebeine ruhen heute in Westminster Abbey in London.
Zurück zur Gegenwart: die beiden Organisatoren Achim Kubiak und Jürgen Laufenberg hatten unter dem Motto „Unter Freunden am Niederrhein“ ein recht modernes Hotel gefunden. Das Rilano Hotel Cleve City grenzt fast unmittelbar an die Fußgängerzone. So mussten für die gut besuchten Stadt- und Burgführungen keine langen Anfahrtswege in Kauf genommen werden. Bezüglich der Burgführung kam es zu einer kleinen Anekdote. Denn ebenfalls fußläufig vom Hotel erreichbar war die Turmgarage, ein auf den Handel mit historischen Porsche- Modellen spezialisiertes Autohaus, bei dem dankenswerter Weise Anhänger und Zugfahrzeuge abgestellt werden konnten. Dort fand sich ein Teilnehmer zu dem Zeitpunkt ein, an dem die Führungen auf der Schwanenburg begannen und war dann bass erstaunt, dass keine Führung durch die Turmgarage vorgesehen war …
Zurück im Hotel verschwanden einige der Herren in die gut ausgeleuchtete und übersichtliche Tiefgarage, die Damen und natürlich auch ein paar Herren frönten dem gepflegten Plausch bei einer Tasse Café oder Cappuccino oder freundeten sich mit der etwas unorthodoxen Zimmereinrichtung (z.B. ein kombiniertes Wasch-/Schreibtischmöbel direkt im Zimmer) an. Das gemeinsame Abendessen fand direkt im Hotel statt. Das Buffet war mehrgleisig angerichtet, so dass sich die Wartezeit im Rahmen hielt. Außengewöhnlich, aber nicht unangenehm war, dass wir keinen der sonst üblichen Säle bevölkerten sondern uns in zwei oder drei (?) Räumen wieder fanden, die miteinander verbunden waren. Das war für die Kommunikation untereinander recht vorteilhaft.
Startzeit für den gemeinsamen Ausflug in die niederländische Provinz Gelderland war am Samstagmorgen ab 10:00 Uhr. Die Fahrtroute barg so manche Überraschung. Der Weg führte z.B. durch die Ortschaft Berg en Dal mit ihren malerischen Villen, über zum Teil kopfsteingepflasterte Wirtschaftswege und sogar streckenweise oben auf dem Rheindeich. Ziel war das Porsche Classic Center Gelderland, in dem uns Geschäftsführer Mark Wegh persönlich durch die „heiligen Hallen“ führte. Im Classic Center werden ausschließlich historische Porsche Modelle aufbereitet, restauriert, repariert und natürlich verkauft. Für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich ist die so genannte Privatsammlung von Herrn Wegh. Neben zahlreichen VW und Audi Sondermodellen mit möglichst niedriger Laufleistung sahen wir verschiedene niederländische Porsche Polizei- Fahrzeuge, mit denen man in Holland als historisches Kulturgut ganz normal am Straßenverkehr teilnehmen darf, allerdings ohne Nutzung von Blaulicht und Martinshorn! Zur Sammlung gehören weitere diverse Porsche, z.B. der 13. je gebaute 911, der 1964 noch 901 hieß, aber auch wassergekühlte Modelle und Militärfahrzeuge, die etwas mit den Herstellern VW und Porsche zu tun haben.
Nächstes Ziel war, zurück in Deutschland, das Schloss Moyland, das kein gewöhnliches Schloss sondern eine Galerie ist. Wer keine Lust hatte, sich mit der Kunst des umstrittenen Joseph Beuys auseinander zu setzen, konnte den tollen Park mit interessanten Installationen genießen und/oder den „geilsten Kuchen“ der Region zu sich nehmen, wie es ein Teilnehmer formulierte.
Der Tag klang dann wieder in dem sehr gut organisierten Hotel aus. Die Kapelle sorgte bei dezenter Lautstärke für eine sehr angenehme musikalische Untermalung. Unser Präsident, Heinrich Besserer, sprach den beiden Organisatoren in seiner Ansprache ein großes Lob aus, würdigte darüber hinaus in diesem Rahmen den hohen Einsatz des Webmasters Hans Tervooren und übergab das Wort an Claus Schmid, der zum nächstjährigen Jahrestreffen in Schwäbisch Gmünd einlud.
Trotz des üblichen Stalldranges am Sonntagmorgen fuhren vergleichsweise viele Teilnehmer mit zur Viller Mühle, einer ehemaligen, mit Wasserkraft angetriebenen Ölmühle, dem Kleinod des „wahnsinnigen Puppenspielers“ Heinz Bömler. Ihm ist es zu verdanken, dass die Mühle vor dem Verfall gerettet wurde. Angeblich hat er eine Firma mit dem Namen „Lug und Betrug“ gegründet und auf die Frage, ob das auch für das Finanzamt gälte, soll er geantwortet haben: „Da mache ich keine Ausnahme“. Die Führungen durch Trödel und Gedöns (wie man hier sagt) waren sehr kurzweilig und so ging ein abwechslungsreiches Wochenende im Kreise Gleichgesinnter zu Ende, bei dem genügend Zeit war, auch Dinge zu entdecken, die abseits der Tour lagen.

Ulrich E. Trispel



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